“Kannst du mir mal erklären was dieses Twitter eigentlich ist?” – Diese Frage höre ich in letzter Zeit immer häufiger. Kein Wunder, zieht doch Twitter mittlerweile in Form von “Tweet des Tages” sogar in die renommierten Printmedien ein. Doch was ist nun dieses Phänomen Twitter?
Zuerst mal ist Twitter etwas, was man erst verstehen und begreifen kann, wenn man es selber nutzt. Jedenfalls sehe ich das so.
Anfangs sollte Twitter nur eine Frage beantworten: “Was machst du gerade?”. Um dies zu beantworten hat man 140 Zeichen Platz. Damit es auch von irgendjemandem gelesen wird, gibt es das Prinzip des “verfolgens”. Jeder kann jeden (private Accounts mal außen vor, find’ ich total schwachsinnig…) verfolgen und kann dann auf seiner Startseite alle Tweets (ach ja, Tweets. So werden die 140-Zeichen langen Beiträge genannt) derjenigen Leute lesen, die man verfolgt. Das ganze in chronologischer Reihenfolge.
Will man auf einen Tweet eines anderen Twitterers etwas antworten, so schreibt man am Anfang des Tweets einfach ein “@benutzer-dem-man-antworten-möchte”. Dies ist dann ein sogenannter Reply und wird beim Empfänger gesondert dargestellt. Auch wird dieser Tweet nur von Verfolgern gesehen, die Sender UND Empfänger verfolgen. Das macht Sinn, da man sonst immer nur einen Teil einer Konversation sehen würde.
Desweiteren gibt es noch die Funktion des ReTweets. Ein ReTweet ist ein Tweet, den man einfach nur nochmal tweetet, weil er zum Beispiel besonders interessant war, oder wichtige Informationen beinhaltet. Ein ReTweet ist ein Reply, bei dem allerdings vor dem @-Zeugs noch ein “RT” geschrieben wird.
Soviel zu den groben technischen Fakten.Doch jetzt fragen sich vielleicht immer noch einige, was das ganze denn soll. Warum sollte ich der Welt erzählen, was ich gerade tue?
Und genau da fängt es an. Man kann Twitter auf mehrere Arten verwenden. Die eine ist so, wie es Twitter ursprünglich geplant hat. Man sagt seinen Freunden was man gerade macht. Ist bestimmt im engen Freundeskreis ganz witzig, aber auf breiter Flur eher uninteressant.
Eine anderer Grund Twitter zu verwenden ist für mich, und vermutlich viele Andere auch, die Informationsbeschaffung und der Meinungsaustausch zu bestimmten Themen. Und da spielt Twitter seine Stärken aus. Wer das “kleine-Welt-Phänomen” kennt, weis wovon ich spreche. Es besagt, das jeder jeden über 6 weitere Personen kennt auf dieser Welt. Sobald jemand etwas wichtiges oder interessantes twittert, dauert es nicht lange, bis es die gesammte Twittersphäre durchdrungen hat. Schönes Beispiel dafür waren die Tweets zum Iran-Konflikt oder hier Lokal die Zensursula Debatte, speziell die Nachricht zur ePetition gegen Internetsperren, die mich kurz nach Eröffnung der Petition erreicht hat und ich trotzdem nur eine vierstellige Unterzeichnernummer habe.
Viele Tweets bieten einen großen Mehrwert, da sie Links zu Artikeln, Blogbeiträgen oder sonstigen Lesenswerten Blogseiten beinhalten. Ersetzt quasi den Feedreader zu einem bestimmten Thema
Viele Seiten und Artikel hätte ich ohne Twitter nie gefunden und gelesen. Natürlich sind nicht alle Tweets interessant, ich würde es auf ein 70/30 Verhältnis schätzen, auf jeden Fall noch ertragbar. Twittert jemand zu lange nur noch Uninteresantes fliegt er aus meiner Timeline wieder raus.
Auch eine nette Art Twitter zu benutzen ist die Ausnutzung der Schwarmintelligenz
Hat man eine Frage, die man schnell beantwortet haben möchte (“Hat jemand Erfahrung mit Digitalkamera xy? Kaufen oder nicht kaufen?”) twittert man Sie einfach und schaut in 15 Minuten nochmal nach. Menge und Qualität der Antworten variieren zwar je nach Frage und Thema, aber ne Antwort kommt fast immer.
Immer häufiger nutze ich es sogar als Alternative zum googlen. Kleines Beispiel aus dem Alltag: Ich fahre eines morgens mit der Straßenbahn durch das wunderschöne Hannover richtung Berufsschule. Unterwegs stehen in der Nähe der TierHochschule hunderte Polizei Einsatzwagen, Wasserwerfer und Krankenwagen. Kurz das iPhone genommen, TwitterFon gestartet, die Twittersuche geöffnet, “Hannover Polizei” eingegeben und sofort wusste ich, dass sie eine Stunde vorher das Böhringer Gelände von Demonstranten befreit haben. Genial diese Twitter-Echtzeit-Suche!
Als Twitterclient unter KDE geht nichts über Choqok, unter Gnome ist Gwibber der Client meiner Wahl.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Qualität oder Nützlichkeit von Twitter steht und fällt mit den Leuten denen man folgt! Verfolgt man Personen, die sich weitestgehend mit den selben Themen befassen die einen selber interessieren so ist es ein wunderbares und informatives “neues Medium”, welches ich in keinster Weise mehr missen möchte!
So, damit jetzt alle Leute, die mich das nochmal fragen auch auf diesen Blogpost kommen, muss ich nur noch kleine Karten drucken, auf denen meine Blogadresse draufsteht, evtl. noch mein Name und E-Mail Adresse… Hmm, das klingt nach einer guten neuen Idee, ich nenne es “Visitenkarte”!