Nachdem es nun Cinammon 1.2 gibt und die APIs sowie der Desktop als stabil deklariert wurden, musste ich mir das System kurz mal näher ansehen. Installiert ist der eigen entwickelte Desktop sehr schnell unter Linux Mint 12. Cinnamon befindet sich dort logischwerweise in den Repositories. Ich habe es allerdings via Konsole installiert, weil das einfach schneller als über eine Klickorgie funktioniert: sudo apt-get install cinnamon-session.
Ist das erledigt, muss Du Dich ausloggen und als Sitzung Cinnamon wählen. Danach startet der Desktop.
Wie in der Ankündigung schon beschrieben, haben die Entwickler drei der beliebtesten Desktop-Layouts schon eingepflegt. Derzeit kann der Nutzer nur zwischen “Leiste oben”, “Leiste unten” und “Leiste oben und unten” entscheiden. Per Standard kommt Cinnamon ganz klassisch mit einer Leiste unten. Möchtest Du das Layout ändern, musst Du Dich derzeit ab- und wieder anmelden. Etwas umständlich, aber man ändert sein Desktop-Layout auch nicht alle 5 Minuten. Von daher ist das zunächst verschmerzbar.
Anmerkung: Ein netter Kommentator hat mich darauf hingewiesen, dass eine Layout-Änderung nicht zwingend ein An- und Abmelden braucht. Mit Alt+F2 und dann r als Befehl eingetragen startet sich Cinnamon neu und die Änderung ist übernommen. Ich hab es ausprobiert und das funktioniert. Vielen Dank für den Hinweis!
Ansonsten sieht Cinnamon schon recht gut aus und Freunden des eher klassischen Desktops dürfte Cinnamon durchaus gefallen. Was unglaublich angenehm ist: Ich kann im Menü Applikationen mit einem Rechtsklick der Leiste, den Favoriten und auch dem Desktop hinzufügen. Gerade letzteres ist unter anderen Desktop-Umgebungen nicht immer ganz trivial und man muss sich manuell mit einem ausführebaren Script helfen, um Launcher auf dem Desktop abzulegen.
Auch die Suche im Menü ist durch das Deaktivieren der Kategorien bei Eingabe eines Begriffs wesentlich besser geworden. Es bringt mich unter Linux Mint 11 “Katya” schon teilweise zur Weißglut, wenn das Gesuchte angezeigt wird, man aus Versehen mit der Maus über eine Kategorie streift und dann die Suche wieder verschwindet. Großer großer Pluspunkt und wirklich gut mitgedacht, liebe Cinnamon-Entwickler.
Die Cinnamon-Einstellungen sind auch einfach zu bedienen und erklären sich von selbst. Die meisten Aktionen hier treten sofort ein. Wer viel Gezappel auf dem Bildschirm haben möchte, kann das haben. Wer keine Effekte bevorzugt, deaktiviert diese eben. Nur das Ändern des Desktop-Layouts muss durch ab- und wieder anmelden aktiviert werden – hatte ich bereits erwähnt.
Doch, das gefällt mir muss ich sagen. Da hat Mr. Mint (Clement Lefebvre) ziemlich genau meinen Geschmack getroffen – ich mag Zimt sowieso. Nachdem ich mir schon einen Nachfolger für Katya auf meinem Arbeitsrechner überlege, wollte ich eigentlich auf Xubuntu 12.04 warten. Nun muss ich mir das doch noch mal genau durch den Kopf gehen lassen, möchte aber zuvor noch ein bisschen mit Cinnamon spielen.
Ich werde das Gefühl nicht los, die Minter drücken derzeit deswegen so auf die Tube, damit Cinnamon zu nächsten Mint-Ausgabe 100 Prozent in trockenen Tüchern ist. Die wird nämlich auf Ubuntu 12.04 “Precise Pangolin” basieren und das ist bekanntlich eine LTS-Version, die auch auf dem Desktop 5 Jahre Unterstützung erhält. Somit würde Linux Mint mindestens zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen – LTS und einen klassischen Arbeitsplatz mit aktueller Technologie darunter. Herr Lefebvre hat ja vor kurzer Zeit erläutert, warum er Cinnamon ins Leben gerufen hat.
Einziger Kritikpunkt, wenn es überhaupt einer ist: Cinnamon ist derzeit nicht wirklich auf Deutsch übersetzt. Wen das nicht stört, unbedingt mal ausprobieren. Das macht richtig Laune. Pakete gibt es derzeit für Ubuntu 11.10, openSUSE 12.1, Linux Mint 12, Fedora 16, Arch Linux und Gentoo: Download Cinnamon.
Das Hintergrundbild auf den Screenshots ist übrigens nicht bei Linux Mint 12 per Standard dabei. Du kannst es aber hier kostenlos herunterladen.
Jürgen (jdo) für bitblokes.de, 2012. |
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